Wir stehen hier am Oberen Tor – einem der historischen Zugänge in den Ort. Schon beim ersten Blick spürt man: Dieses Tor ist mehr als nur ein Durchgang. Es ist ein Stück gelebte Geschichte. Errichtet wurde es im Jahr 1483, wie eine Steinplatte am Torbogen bis heute verrät. Damals war Frickenhausen ein bedeutender Marktort, geschützt durch Mauern, Türme und Tore. Wer hier eintrat, kam aus den Weinbergen direkt in das geschäftige Leben des Ortes. Das Obere Tor war nicht nur Teil der Verteidigungsanlage – es war auch Wohnraum: Im 18. Jahrhundert lebte hier der Flurer, eine Art Feld- und Fluraufseher. Später wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer, bis es schließlich wieder in Gemeindebesitz überging. Ein besonders dramatisches Kapitel erlebte das Tor im Jahr 1991: Ein Brand zerstörte große Teile des Bauwerks. Doch wie so vieles in Frickenhausen wurde auch das Obere Tor mit großem Engagement wieder aufgebaut – originalgetreu und mit neuem Leben erfüllt. Heute sind die Frickenhäuser Tore und Türme lebendige Orte, die als Vereinsheime genutzt werden und dadurch gepflegt und erhalten bleiben. Wer durch das Tor geht, folgt oft den Wegen hinaus in die Weinberge – etwa zum Kapellenberg oder auf den Frickenhäuser Kreuzweg. Nur wenige Schritte entfernt, liegt der Patrizierplatz. Wie der Name verrät, lebten hier einst wohlhabende Bürger und Patrizierfamilien, die vom Weinhandel und der Bedeutung Frickenhausens als Marktort profitierten. Ein Beispiel dafür ist das sogenannte „Gresserhaus“. Es stammt aus dem Jahr 1730 und zeigt eindrucksvoll den Reichtum vergangener Zeiten – mit barocker Fassade, schwungvollem Giebeldach und einer Figurengruppe im Innenhof.